Scheidung in Deutschland - Der komplette Guide 2026
Alles über Scheidung: Kosten, Ablauf, Trennungsjahr, Unterhalt, Zugewinnausgleich und Sorgerecht. Mit kostenlosen Rechnern für Scheidungskosten.
Praktische Rechner für die Scheidung
6 spezialisierte Rechner für präzise Berechnungen
Scheidungskosten-Rechner 2024 - Kosten Online Berechnen
Scheidungskosten-Rechner Deutschland: Berechnen Sie Gerichtskosten, Anwaltskosten nach GNotKG und RVG 2024. Verfahrenswert, Versorgungsausgleich, Prozesskostenhilfe.
Notarkosten-Rechner 2026 - Gebühren Nach GNotKG Berechnen
Notarkosten-Rechner: Berechnen Sie Notargebühren nach GNotKG (Stand 2026). Immobilienkauf, GmbH-Gründung, Testament. Grundbuchkosten, Kaufvertrag, Gesellschaftsvertrag.
Brutto-Netto-Rechner 2026 - Gehaltsrechner Deutschland
Berechnen Sie Ihr Nettogehalt aus dem Bruttogehalt mit aktuellem Brutto-Netto-Rechner 2026. Alle Steuerklassen, Sozialabgaben, Kirchensteuer und Pflegeversicherung.
Elterngeld-Rechner 2026
Berechnen Sie Ihr Elterngeld nach BEEG (Stand 2026) - Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus. Mit Mehrlingszuschlag und Geschwisterbonus.
Einkommensteuer-Rechner 2026
Deutscher Einkommensteuer-Rechner 2026: Berechnen Sie Ihre Steuerlast nach Grund- oder Splittingtarif mit Grundfreibetrag, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.
Erbschaftsteuer-Rechner 2025 - Freibeträge & Steuerklassen | ErbStG
Erbschaftsteuer-Rechner: Berechnen Sie Erbschaftsteuer mit aktuellen Freibeträgen 2025 (€500K Ehepartner, €400K Kinder). Inkl. Steuerklassen & Steuerspar-Tipps.
Eine Scheidung ist eine der einschneidendsten Lebensentscheidungen. Dieser Guide erklärt Ihnen den gesamten Ablauf, alle Kosten und Ihre Rechte - damit Sie informierte Entscheidungen treffen können.
Scheidung in Deutschland - Was Sie wissen müssen
In Deutschland werden jährlich rund 130.000 Ehen geschieden - das entspricht etwa jeder dritten Ehe. Eine Scheidung ist emotional belastend und finanziell folgenreich. Die Gesamtkosten einer Scheidung liegen je nach Komplexität zwischen 2.000 und 50.000 Euro oder mehr. Umso wichtiger ist es, den Ablauf, die Kosten und die rechtlichen Rahmenbedingungen zu kennen, um informierte Entscheidungen treffen zu können.
In Deutschland gilt das Zerrüttungsprinzip: Eine Ehe kann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. Als gescheitert gilt eine Ehe, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft nicht mehr besteht und nicht zu erwarten ist, dass die Ehegatten sie wiederherstellen. Nach einem Jahr Trennung wird das Scheitern vermutet, wenn beide Ehegatten die Scheidung wollen. Nach drei Jahren Trennung gilt die Ehe unwiderlegbar als gescheitert, auch wenn ein Ehegatte der Scheidung widerspricht.
Dieser Guide führt Sie durch alle wichtigen Aspekte einer Scheidung: vom Trennungsjahr über Kosten und Unterhalt bis zu Zugewinnausgleich und Sorgerecht. Nutzen Sie unsere Rechner, um Scheidungskosten und Notarkosten zu kalkulieren.
Das Trennungsjahr: Voraussetzung für die Scheidung
Pflicht zum Trennungsjahr: Vor einer Scheidung müssen die Ehepartner mindestens ein Jahr getrennt leben (§ 1566 BGB). Das Trennungsjahr beginnt, wenn ein Ehegatte dem anderen die Trennungsabsicht mitteilt und eine "Trennung von Tisch und Bett" vollzogen wird. Das bedeutet: getrennte Schlafzimmer, keine gemeinsame Haushaltsführung (nicht füreinander kochen, waschen, einkaufen), getrennte Finanzen und kein Auftreten als Paar in der Öffentlichkeit.
Trennung innerhalb der Ehewohnung: Das Trennungsjahr kann auch innerhalb der gemeinsamen Wohnung vollzogen werden - vorausgesetzt, die Lebensbereiche sind klar getrennt. Jeder Ehegatte muss einen eigenen Bereich haben (mindestens eigenes Schlafzimmer), und die Haushaltsführung darf nicht mehr gemeinsam erfolgen. In der Praxis ist die Trennung in der gemeinsamen Wohnung schwieriger nachzuweisen und kann zu Streit führen.
Härtefallscheidung ohne Trennungsjahr: In Ausnahmefällen kann das Trennungsjahr entfallen: bei häuslicher Gewalt, Alkohol- oder Drogensucht des Partners, wenn der Partner eine schwere Straftat begangen hat oder wenn das Festhalten an der Ehe eine unzumutbare Härte bedeuten würde. Die Härtefallscheidung ist in der Praxis selten und erfordert einen starken Nachweis der Unzumutbarkeit.
Was während des Trennungsjahres zu beachten ist: Bereits mit Beginn des Trennungsjahres entstehen wichtige rechtliche Konsequenzen: Anspruch auf Trennungsunterhalt, Stichtag für den Zugewinnausgleich (Anfangs- und Endvermögen), Änderung der Steuerklasse zum Jahreswechsel (von III/V auf jeweils I oder II) und Regelung der Wohnungszuweisung. Lassen Sie sich frühzeitig anwaltlich beraten, um Ihre Rechte zu wahren.
Scheidungskosten: Anwalts- und Gerichtskosten berechnen
Verfahrenswert (Streitwert): Die Scheidungskosten richten sich nach dem Verfahrenswert, der vom Gericht festgesetzt wird. Der Verfahrenswert berechnet sich aus dem dreifachen monatlichen Nettoeinkommen beider Ehegatten. Beispiel: Beide verdienen zusammen 5.000 Euro netto = Verfahrenswert 15.000 Euro. Hinzu kommen Zuschläge für jede Folgesache (Unterhalt, Zugewinn, Sorgerecht): je 20-50% des Grundwerts. Der Versorgungsausgleich wird mit 10% des dreifachen Nettoeinkommens pro Anrecht bewertet.
Anwaltskosten (RVG): Die Anwaltsgebühren richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und dem Verfahrenswert. Bei einem Verfahrenswert von 15.000 Euro betragen die Anwaltskosten ca. 1.800-2.500 Euro (inkl. MwSt). Bei einer einvernehmlichen Scheidung reicht ein Anwalt für den Antragsteller - der andere Ehegatte braucht keinen eigenen Anwalt, muss aber der Scheidung zustimmen. Bei streitigen Folgesachen braucht jeder Ehegatte einen eigenen Anwalt, was die Kosten verdoppelt.
Gerichtskosten: Die Gerichtsgebühren betragen etwa 50-70% der Anwaltskosten für eine Instanz. Bei einem Verfahrenswert von 15.000 Euro liegen die Gerichtskosten bei ca. 400-600 Euro. Die Gerichtskosten werden in der Regel hälftig geteilt, es sei denn, das Gericht weist sie einem Ehegatten allein zu.
Gesamtkosten-Überblick: Einvernehmliche Scheidung mit einem Anwalt: ca. 2.000-3.500 Euro gesamt. Einvernehmliche Scheidung mit zwei Anwälten: ca. 3.500-6.000 Euro. Streitige Scheidung mit Folgesachen (Unterhalt, Zugewinn, Sorgerecht): ca. 10.000-50.000+ Euro. Tipp: Eine einvernehmliche Einigung über alle Folgesachen (per Ehevertrag oder Scheidungsfolgenvereinbarung) spart erhebliche Kosten und Nerven.
Unterhalt: Trennungsunterhalt und nachehelicher Unterhalt
Trennungsunterhalt (während des Trennungsjahres): Der Ehegatte mit dem geringeren Einkommen hat während der Trennungszeit Anspruch auf Trennungsunterhalt. Die Höhe richtet sich nach der Differenz der bereinigten Nettoeinkommen beider Ehegatten: Der Unterhaltsberechtigte erhält 3/7 der Einkommensdifferenz (bei Erwerbseinkommen). Auf den Trennungsunterhalt kann nicht verzichtet werden, da er dem Lebensunterhalt dient.
Nachehelicher Unterhalt: Nach der Scheidung besteht grundsätzlich die Eigenverantwortung jedes Ehegatten. Nachehelicher Unterhalt wird nur in bestimmten Fällen geschuldet: Betreuungsunterhalt (Kinder unter 3 Jahre), Altersunterhalt, Krankheitsunterhalt, Aufstockungsunterhalt (bei Einkommensgefälle nach langer Ehe) und Ausbildungsunterhalt. Die Berechnung erfolgt nach der Düsseldorfer Tabelle und den Süddeutschen Leitlinien.
Kindesunterhalt: Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, zahlt Barunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle. Die Höhe richtet sich nach dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen und dem Alter des Kindes. 2026 beträgt der Mindestunterhalt: 482 Euro (0-5 Jahre), 554 Euro (6-11 Jahre), 649 Euro (12-17 Jahre) und 693 Euro (ab 18 Jahre). Abzuziehen ist das hälftige Kindergeld (jeweils 125 Euro für das 1. und 2. Kind). Der Kindesunterhalt hat Vorrang vor allen anderen Unterhaltsansprüchen.
Selbstbehalt: Dem Unterhaltspflichtigen muss ein Mindestbetrag für den eigenen Lebensunterhalt verbleiben: 1.370 Euro gegenüber minderjährigen Kindern und 1.650 Euro gegenüber volljährigen Kindern und dem Ehegatten (Stand 2026). Reicht das Einkommen nicht für alle Unterhaltsansprüche, gelten Rangfolgen: Minderjährige Kinder haben Vorrang vor Ehegatten, diese vor volljährigen Kindern.
Zugewinnausgleich und Versorgungsausgleich
Zugewinnausgleich: Haben die Ehegatten keinen Ehevertrag geschlossen, leben sie im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Bei der Scheidung wird der Zugewinn (Vermögensbildung während der Ehe) ausgeglichen: Jeder Ehegatte behält sein Anfangsvermögen (Vermögen bei Eheschließung plus Erbschaften und Schenkungen). Die Differenz zwischen Anfangs- und Endvermögen (Zugewinn) wird verglichen. Wer mehr Zugewinn erzielt hat, muss die Hälfte der Differenz an den anderen zahlen.
Berechnungsbeispiel: Ehemann hatte bei Heirat 10.000 Euro Vermögen, bei Scheidung 110.000 Euro = 100.000 Euro Zugewinn. Ehefrau hatte bei Heirat 5.000 Euro, bei Scheidung 35.000 Euro = 30.000 Euro Zugewinn. Differenz: 100.000 - 30.000 = 70.000 Euro. Der Ehemann zahlt 35.000 Euro (Hälfte der Differenz) an die Ehefrau. Immobilien, Lebensversicherungen, Aktien und auch Schulden werden in die Berechnung einbezogen.
Versorgungsausgleich: Der Versorgungsausgleich teilt die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche häufig auf. Jeder Ehegatte erhält die Hälfte der Rentenansprüche, die der andere während der Ehezeit erworben hat. Betroffen sind: gesetzliche Rente, Betriebsrente, Riester-/Ruerup-Rente, private Rentenversicherungen und Beamtenpensionen. Der Versorgungsausgleich wird vom Familiengericht von Amts wegen durchgeführt und kann nur bei kurzer Ehedauer (unter 3 Jahre) ausgeschlossen werden.
Ehewohnung und Hausrat: Die Ehewohnung wird bei der Scheidung einem Ehegatten zugewiesen oder verkauft. Ist die Wohnung im gemeinsamen Eigentum, kann ein Ehegatte den anderen auszahlen oder die Immobilie wird verkauft und der Erlös geteilt. Der Hausrat (Möbel, Haushaltsgegenstände) wird nach Billigkeit verteilt - Gegenstände, die einem Ehegatten allein gehören (vor der Ehe angeschafft oder geerbt), bleiben bei diesem.
Sorgerecht und Umgangsrecht
Gemeinsames Sorgerecht als Regelfall: Nach einer Scheidung behalten beide Elternteile das gemeinsame Sorgerecht. Das bedeutet: Beide Eltern entscheiden gemeinsam in wichtigen Angelegenheiten (Schulwahl, Religion, medizinische Eingriffe, Auslandsreisen). Alltägliche Entscheidungen trifft der Elternteil, bei dem das Kind lebt. Das gemeinsame Sorgerecht wird nur bei Kindeswohlgefährdung eingeschränkt - nicht weil die Eltern sich nicht verstehen.
Aufenthaltsbestimmungsrecht: Können sich die Eltern nicht einigen, bei wem das Kind lebt, entscheidet das Familiengericht über das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Dabei steht das Kindeswohl im Mittelpunkt: Bindungen des Kindes, Erziehungseignung der Eltern, Kontinuitätsprinzip (möglichst wenig Veränderung für das Kind), Geschwisterbindung und bei älteren Kindern der Kindeswille.
Umgangsrecht: Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, hat ein Recht und eine Pflicht zum Umgang. Das übliche Modell sieht vor: alle zwei Wochen ein Wochenende (Freitag bis Sonntag), die Hälfte der Schulferien und abwechselnd Feiertage. Zunehmend wird auch das Wechselmodell praktiziert, bei dem das Kind abwechselnd bei beiden Eltern lebt (z.B. wochenweise). Das Wechselmodell erfordert räumliche Nähe, gute Kommunikation und gleichwertige Wohnverhältnisse.
Kindeswohl bei der Scheidung: Studien zeigen, dass nicht die Scheidung selbst, sondern die elterlichen Konflikte das Kindeswohl am meisten gefährden. Tipps für Eltern: Kinder niemals in den Konflikt hineinziehen, nicht vor Kindern über den anderen Elternteil schlecht sprechen, den Kontakt zum anderen Elternteil aktiv fördern und bei Bedarf professionelle Hilfe (Familienmediation, Erziehungsberatung) in Anspruch nehmen.
Der Ablauf einer Scheidung - Schritt für Schritt
Schritt 1 - Trennung: Die Trennung wird einem Ehegatten mitgeteilt und vollzogen (getrennte Lebensführung). Ab diesem Zeitpunkt läuft das Trennungsjahr. Wichtig: Dokumentieren Sie den Trennungszeitpunkt (z.B. durch Brief an den Ehegatten mit Eingangsbestätigung). Ändern Sie zum nächsten Jahreswechsel Ihre Steuerklasse und regeln Sie vorläufig Unterhalt, Wohnung und Kinderbetreuung.
Schritt 2 - Anwalt beauftragen: Mindestens der antragstellende Ehegatte braucht einen Anwalt (Anwaltszwang beim Familiengericht). Suchen Sie einen Fachanwalt für Familienrecht. Die Erstberatung kostet maximal 226,10 Euro (inkl. MwSt) und wird auf spätere Gebühren angerechnet. Klaren Sie in der Erstberatung: Unterhaltsansprüche, Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich, Sorgerecht und Vermögenssicherung.
Schritt 3 - Scheidungsantrag einreichen: Nach Ablauf des Trennungsjahres reicht der Anwalt den Scheidungsantrag beim zuständigen Familiengericht ein. Dem Antrag beizufügen sind: Heiratsurkunde, Geburtsurkunden der Kinder, Einkommensnachweise und ggf. Eheverträge oder Scheidungsfolgenvereinbarung. Das Gericht stellt den Antrag dem anderen Ehegatten zu.
Schritt 4 - Versorgungsausgleich und Verhandlung: Das Gericht fordert beide Ehegatten auf, Auskünfte zu ihren Rentenansprüchen zu erteilen (Fragebogen zum Versorgungsausgleich). Die Rentenversicherungsträger berechnen die auszugleichenden Anrechte. Dieser Vorgang dauert oft 3-6 Monate. Bei einvernehmlicher Scheidung wird anschließend ein Termin zur mündlichen Verhandlung anberaumt.
Schritt 5 - Scheidungstermin: Beim mündlichen Termin befragt der Richter beide Ehegatten persönlich zum Scheitern der Ehe und zum Trennungsjahr. Stimmen beide der Scheidung zu und sind alle Folgesachen geklärt, wird die Scheidung ausgesprochen. Nach Ablauf der Rechtsmittelfrist (ein Monat) ist die Scheidung rechtskräftig. Durch Rechtsmittelverzicht beider Parteien kann die Scheidung sofort rechtskräftig werden. Die Gesamtdauer einer einvernehmlichen Scheidung beträgt ab Antragstellung ca. 4-8 Monate.
📑Inhaltsverzeichnis
- ⚖️Scheidung in Deutschland - Was Sie wissen müssen
- 📅Das Trennungsjahr: Voraussetzung für die Scheidung
- 💰Scheidungskosten: Anwalts- und Gerichtskosten berechnen
- 💶Unterhalt: Trennungsunterhalt und nachehelicher Unterhalt
- ⚖️Zugewinnausgleich und Versorgungsausgleich
- 👨👩👧Sorgerecht und Umgangsrecht
- 📋Der Ablauf einer Scheidung - Schritt für Schritt
Einvernehmliche vs. Streitige Scheidung vs. Online-Scheidung
Welcher Scheidungsweg passt am besten zu Ihrer Situation?
Einvernehmliche Scheidung
✓Vorteile
- •Günstigste Variante: nur ein Anwalt nötig (ab 2.000 Euro)
- •Schnellste Abwicklung (4-6 Monate nach Trennungsjahr)
- •Geringste emotionale Belastung für alle Beteiligten
- •Folgesachen können vorab außergerichtlich geregelt werden
- •Flexible Gestaltung der Scheidungsfolgenvereinbarung
- •Beste Lösung für gemeinsame Kinder
✗Nachteile
- •Beide Ehegatten müssen kooperieren
- •Der Ehegatte ohne Anwalt hat keinen eigenen Rechtsberater
- •Setzt Einigung über Unterhalt, Zugewinn und Sorgerecht voraus
- •Bei Ungleichgewicht kann ein Partner benachteiligt werden
🎯Ideal für
Paare, die sich über alle wesentlichen Punkte einig sind oder Kompromisse finden können
Streitige Scheidung
✓Vorteile
- •Eigener Anwalt schützt Ihre Rechte vollumfänglich
- •Gericht entscheidet bei Uneinigkeit fair
- •Alle Ansprüche werden geprüft und durchgesetzt
- •Sinnvoll bei Vermögensverschiebungen oder Verschweigen von Einkünften
✗Nachteile
- •Hohe Kosten: 10.000-50.000+ Euro (zwei Anwälte, mehrere Folgesachen)
- •Lange Dauer: 1-3 Jahre oder mehr
- •Hohe emotionale Belastung für alle Beteiligten
- •Verschärft oft Konflikte, besonders bei Kindern
- •Ergebnis nicht vorhersehbar - Richter entscheidet
- •Jede Folgesache erhöht den Verfahrenswert und die Kosten
🎯Ideal für
Fälle mit erheblichem Vermögen, Unterhaltsstreit, Verdacht auf Vermögensverschiebung oder unkooperativem Ehegatten
Online-Scheidung
✓Vorteile
- •Bequeme Abwicklung: Kommunikation per E-Mail/Telefon
- •Oft günstiger als klassische Kanzlei
- •Zeitersparnis: keine Kanzleitermine nötig
- •Transparente Kosten (Festpreise verbreitet)
- •Geeignet für räumlich getrennte Ehegatten
✗Nachteile
- •Nur für einvernehmliche Scheidungen geeignet
- •Mündlicher Gerichtstermin bleibt Pflicht (persönliche Anwesenheit)
- •Persönliche Beratung eingeschränkt
- •Bei komplexen Vermögensverhältnissen nicht empfehlenswert
- •Qualität der Beratung variiert stark
🎯Ideal für
Einvernehmliche Scheidungen ohne große Vermögenswerte oder komplizierte Verhältnisse
⚖️ Rechtlicher Hinweis
Dieser Ratgeber dient nur zur groben Orientierung und ersetzt keine professionelle Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte konsultieren Sie bitte einen Steuerberater oder Rechtsanwalt. Alle Angaben ohne Gewähr.
❓Häufig gestellte Fragen
Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick
Die Kosten hängen vom Verfahrenswert (3x monatliches Nettoeinkommen beider Ehegatten) ab. Einvernehmliche Scheidung mit einem Anwalt: ca. 2.000-3.500 Euro. Einvernehmliche Scheidung mit zwei Anwälten: ca. 3.500-6.000 Euro. Streitige Scheidung mit Folgesachen: 10.000-50.000+ Euro. Bei geringem Einkommen besteht Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe (VKH), die die Kosten übernimmt.
Nach Ablauf des Trennungsjahres: Einvernehmliche Scheidung 4-8 Monate, streitige Scheidung 1-3 Jahre oder länger. Der Versorgungsausgleich dauert oft 3-6 Monate (Auskünfte der Rentenversicherungsträger). Insgesamt müssen Sie ab Trennung mit mindestens 18 Monaten rechnen (12 Monate Trennungsjahr + 6 Monate Verfahren). Durch Verzicht auf Rechtsmittel wird die Scheidung sofort am Verhandlungstag rechtskräftig.
Mindestens der antragstellende Ehegatte braucht einen Anwalt (Anwaltszwang beim Familiengericht). Bei einer einvernehmlichen Scheidung kann der andere Ehegatte ohne eigenen Anwalt der Scheidung zustimmen. Es empfiehlt sich aber, zumindest eine anwaltliche Erstberatung (max. 226,10 Euro) in Anspruch zu nehmen, um die eigenen Rechte zu kennen. Bei streitigen Folgesachen braucht jeder Ehegatte zwingend einen eigenen Anwalt.
Der Zugewinnausgleich teilt die während der Ehe erzielte Vermögensbildung häufig. Berechnung: Endvermögen minus Anfangsvermögen = Zugewinn jedes Ehegatten. Wer mehr Zugewinn hat, zahlt die Hälfte der Differenz. Beispiel: Er hat 100.000 Euro Zugewinn, sie 30.000 Euro. Er zahlt (100.000-30.000)/2 = 35.000 Euro an sie. Erbschaften und Schenkungen zählen zum Anfangsvermögen und werden nicht geteilt.
Der nacheheliche Unterhalt beträgt 3/7 der Differenz der bereinigten Nettoeinkommen (bei Erwerbseinkommen). Beispiel: Er verdient 4.000 Euro netto, sie 1.500 Euro netto. Differenz: 2.500 Euro. Unterhalt: 3/7 x 2.500 = ca. 1.071 Euro. Der nacheheliche Unterhalt ist zeitlich begrenzt und hängt von Ehedauer, Kinderbetreuung und Eigenverantwortung ab. Kindesunterhalt wird gesondert nach der Düsseldorfer Tabelle berechnet.
Optionen: Ein Ehegatte übernimmt das Haus und zahlt den anderen aus (häufig anteil des Verkehrswerts abzüglich halber Restschuld), gemeinsamer Verkauf und Teilung des Erlöses, Realteilung (bei größeren Objekten) oder - als letzte Option - Teilungsversteigerung. Die Übernahme erfordert oft eine Umschuldung des Kredits. Tipp: Lassen Sie den Verkehrswert durch einen Gutachter bestimmen und einigen Sie sich möglichst außergerichtlich.
Verfahrenskostenhilfe (VKH) wird bei geringem Einkommen gewährt. Die Einkommensgrenzen orientieren sich an den Sozialhilfe-Sätzen plus Freibeträge für Kinder und Wohnkosten. Bei einem Nettoeinkommen unter ca. 1.200 Euro (Single) bzw. 1.800 Euro (mit Kind) ist VKH wahrscheinlich. Die VKH deckt Anwalts- und Gerichtskosten und muss bei Einkommensverbesserung innerhalb von 4 Jahren teilweise zurückgezahlt werden.
Der Versorgungsausgleich teilt die während der Ehezeit erworbenen Rentenansprüche häufig auf. Betroffen sind alle Altersvorsorge-Anrechte: gesetzliche Rente, Betriebsrente, Riester, Rürup, private Rentenversicherungen und Beamtenpensionen. Jeder Ehegatte erhält die Hälfte der Ansprüche, die der andere während der Ehe erworben hat. Bei kurzer Ehe (unter 3 Jahre) findet der Versorgungsausgleich nur auf Antrag statt.
Nach drei Jahren Trennung kann die Scheidung auch gegen den Willen eines Ehegatten ausgesprochen werden - die Ehe gilt dann als unwiderlegbar gescheitert. Innerhalb der ersten drei Jahre kann ein Ehegatte der Scheidung widersprechen, wenn er das Scheitern der Ehe bestreitet. Seltene Härtefallklausel (§ 1568 BGB): Die Scheidung kann aufgeschoben werden, wenn sie für gemeinsame minderjährige Kinder eine schwere Härte bedeuten würde.
Im Trennungsjahr können Sie letztmalig die gemeinsame Veranlagung (Ehegattensplitting) wählen. Ab dem Folgejahr werden beide Ehegatten einzeln veranlagt (Steuerklasse I oder II mit Kind). Das kann erhebliche steuerliche Nachteile bringen, besonders bei größen Einkommensunterschieden. Unterhaltszahlungen können als Sonderausgaben (max. 13.805 Euro/Jahr, Realsplitting) oder als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden.
Verwandte Themen & Kategorien
📚Ähnliche Themen
Berechnen Sie Ihre Scheidungskosten!
Nutzen Sie unsere kostenlosen Rechner für eine realistische Kostenschätzung und informierte Planung Ihrer Scheidung.