Trockenbau Kosten Pro qm: Rigips, Ständerwerk Und Was Sie Selbst Machen Können
Trockenbau ist eine der vielseitigsten und schnellsten Methoden, um Räume zu gestalten, Wände einzuziehen oder Decken abzuhängen. Ob Raumtrennung im Dachgeschoss, Schallschutzwand zwischen Schlaf- und Wohnzimmer oder abgehängte Decke mit integrierter Beleuchtung – Trockenbau macht es möglich. Doch was kostet das Ganze pro Quadratmeter, und welche Arbeiten können Sie als Heimwerker selbst übernehmen? Nachfolgend erklären wir alle Kostenfaktoren, die verschiedenen Plattentypen und geben Ihnen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Ihre DIY-Projekte. Nutzen Sie unseren Trockenbau-Rechner, um den Materialbedarf für Ihr Projekt zu ermitteln.
Was Ist Trockenbau?
Trockenbau bezeichnet alle Bauverfahren, die ohne wasserhaltige Baustoffe wie Mörtel oder Putz auskommen. Stattdessen werden Gipskartonplatten (umgangssprachlich Rigips) auf ein Ständerwerk aus Metall- oder Holzprofilen geschraubt. Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Schnelle Montage: Eine Trockenbauwand lässt sich in wenigen Stunden errichten.
- Kein Trocknungszeit: Anders als bei gemauerten Wänden entfällt die wochenlange Trocknungsphase.
- Geringes Gewicht: Ideal für Dachgeschossausbauten und auf Holzbalkendecken.
- Flexibilität: Wände können bei Bedarf wieder rückgebaut werden.
- Installationsfreundlich: Elektroleitungen und Rohre lassen sich einfach in der Ständerwand verlegen.
Gipskartonplatten: Typen Und Kosten
Nicht jede Gipskartonplatte ist gleich. Je nach Einsatzbereich gibt es verschiedene Typen:
Standard-Gipskartonplatte (GKB)
- Einsatz: Trockene Innenräume wie Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer.
- Kosten: 3 bis 6 Euro pro Quadratmeter (12,5 mm Stärke).
- Erkennungsmerkmal: Grauer Karton.
Imprägnierte Gipskartonplatte (GKBI)
- Einsatz: Feuchträume wie Badezimmer (nicht direkt im Spritzwasserbereich) und Küchen.
- Kosten: 5 bis 9 Euro pro Quadratmeter.
- Erkennungsmerkmal: Grüner Karton.
- Wichtig: Auch imprägnierte Platten sind nicht wasserdicht. Im direkten Nassbereich (Dusche) ist zusätzlich eine Abdichtung erforderlich.
Feuerschutzplatte (GKF)
- Einsatz: Bereiche mit erhöhten Brandschutzanforderungen, Heizungsräume, Fluchtwege.
- Kosten: 6 bis 12 Euro pro Quadratmeter.
- Erkennungsmerkmal: Rosa Karton.
- Feuerwiderstand: Je nach Aufbau (einlagig oder doppelt beplankt) Feuerwiderstandsklassen F30 bis F90 erreichbar.
Schallschutzplatte
- Einsatz: Trennwände zwischen Wohnungen oder Räumen mit erhöhtem Schallschutzanspruch.
- Kosten: 8 bis 15 Euro pro Quadratmeter.
- Besonderheit: Höheres Flächengewicht für bessere Schalldämmung. Oft in Kombination mit Dämmmaterial im Ständerwerk.
Zementbauplatten
- Einsatz: Direkte Feuchte- und Nassbelastung (Duschbereich, Schwimmbad).
- Kosten: 12 bis 25 Euro pro Quadratmeter.
- Vorteil: Absolut wasserfest und schimmelresistent.
Ständerwerk: Metall Vs. Holz
Das Ständerwerk bildet das Gerüst, auf das die Platten geschraubt werden.
Metallprofile (CW- Und UW-Profile)
- Kosten: 2 bis 5 Euro pro laufendem Meter.
- Vorteile: Formstabil, verzogen sich nicht, einfach zu schneiden, nicht brennbar, günstiger als Holz.
- Standard: UW-Profile als Boden- und Deckenanschluss, CW-Profile als Ständer im Abstand von 62,5 cm (halbe Plattenbreite).
Holzständerwerk
- Kosten: 3 bis 8 Euro pro laufendem Meter.
- Vorteile: Höhere Tragfähigkeit für schwere Regale und Hängeschränke, natürliches Material.
- Nachteile: Kann sich verziehen, schwerer zu bearbeiten, brennbar.
Materialkosten Im Überblick
Für eine Standard-Trockenbauwand (einfach beplankt, 12,5 cm stark) benötigen Sie pro Quadratmeter:
- CW/UW-Profile: 3 bis 5 Euro
- Gipskartonplatten (2x GKB): 6 bis 12 Euro (beidseitig beplankt)
- Schnellbauschrauben: 0,50 bis 1 Euro
- Dichtungsband: 0,30 bis 0,50 Euro
- Fugenspachtel und Bewehrungsstreifen: 1 bis 2 Euro
- Dämmmaterial (Mineralwolle): 3 bis 8 Euro (optional, für Schallschutz empfohlen)
- Gesamt Material: 14 bis 28 Euro pro Quadratmeter
Arbeitskosten Fachbetrieb
- Einfache Trennwand: 40 bis 65 Euro pro Quadratmeter (Material und Arbeit)
- Schallschutzwand (doppelt beplankt, gedämmt): 65 bis 100 Euro pro Quadratmeter
- Brandschutzwand (F30/F90): 75 bis 130 Euro pro Quadratmeter
- Decke abhängen: 50 bis 90 Euro pro Quadratmeter
- Dachschrägenverkleidung: 45 bis 80 Euro pro Quadratmeter
Schallschutz Im Trockenbau
Guter Schallschutz ist bei Trennwänden zwischen Wohnräumen essentiell. Die Schalldämmung einer Trockenbauwand hängt von mehreren Faktoren ab:
- Masse: Doppelte Beplankung (2 Lagen Gipskarton pro Seite) erhöht die Schalldämmung erheblich.
- Entkopplung: Getrennte Ständerwerke für jede Wandseite verbessern den Schallschutz deutlich.
- Dämmung: Mineralwolle im Hohlraum absorbiert Schallwellen.
- Anschlüsse: Alle Anschlüsse an Boden, Decke und angrenzende Wände müssen mit Dichtungsband entkoppelt werden.
- Richtwert: Eine Standard-Trockenbauwand erreicht etwa 42 bis 45 dB. Mit doppelter Beplankung und Dämmung sind 55 bis 60 dB möglich. Zum Vergleich: Eine 17,5 cm dicke Kalksandsteinwand erreicht etwa 52 dB.
Brandschutz Im Trockenbau
Für bestimmte Bereiche schreibt die Bauordnung Feuerwiderstandsklassen vor:
- F30: 30 Minuten Feuerwiderstand. Erreichbar mit einer Lage 12,5 mm Feuerschutzplatten pro Seite.
- F60: 60 Minuten Feuerwiderstand. Erreichbar mit zwei Lagen 12,5 mm Feuerschutzplatten pro Seite.
- F90: 90 Minuten Feuerwiderstand. Erreichbar mit speziellen Aufbauten (z. B. zwei Lagen 15 mm Feuerschutzplatten pro Seite).
- Wichtig: Durchbrüche für Elektro- und Sanitärinstallationen müssen fachgerecht abgeschottet werden, um den Brandschutz nicht zu unterbrechen.
DIY-Anleitung: Trockenbauwand Schritt Für Schritt
Werkzeug Und Material
- Akkuschrauber mit Trockenbauvorsatz
- Blechschere oder Profilschneidemaschine
- Cuttermesser
- Wasserwaage und Richtlatte
- Schlagbohrmaschine für Boden- und Deckenbefestigung
- Spachtelwerkzeug und Schleifgitter
Schritt 1: UW-Profile An Boden Und Decke
Dichtungsband auf die Rückseite der UW-Profile kleben. Profile an Boden und Decke mit Dübeln befestigen (Abstand maximal 60 cm). Die Profile definieren den Verlauf der Wand.
Schritt 2: CW-Ständer Einsetzen
CW-Profile auf die richtige Länge schneiden (1 cm kürzer als Raumhöhe) und in die UW-Profile einsetzen. Abstand von Mitte zu Mitte: 62,5 cm. Die offene Seite der CW-Profile muss in Arbeitsrichtung zeigen.
Schritt 3: Erste Seite Beplanken
Gipskartonplatten an einer Seite mit Schnellbauschrauben befestigen (Abstand 25 cm, Schraubenkopf leicht versenkt). Platten versetzt anordnen, sodass Kreuzfugen vermieden werden.
Schritt 4: Dämmmaterial Einbringen
Mineralwolle in den Hohlraum einbringen. Das Dämmmaterial sollte den Hohlraum vollständig ausfüllen, aber nicht zusammengepresst werden.
Schritt 5: Zweite Seite Beplanken
Die gegenüberliegende Seite beplanken. Plattenversatz gegenüber der ersten Seite beachten.
Schritt 6: Fugen Verspachteln
Fugen mit Bewehrungsstreifen und Fugenspachtel verspachteln. Nach dem Trocknen schleifen und ein zweites Mal spachteln. Oberfläche mit Schleifgitter glätten.
Berechnen Sie den genauen Materialbedarf mit unserem Trockenbau-Rechner, bevor Sie Material einkaufen.
Häufige Fehler Im Trockenbau
Auch bei vermeintlich einfachen Trockenbauprojekten gibt es typische Fehler, die Sie vermeiden sollten:
- Kreuzfugen: Gipskartonplatten dürfen nie so angeordnet werden, dass vier Plattenkanten an einem Punkt zusammentreffen. Versetzen Sie die Platten immer um mindestens 40 cm.
- Fehlende Dichtungsbänder: Ohne Dichtungsband zwischen Profil und Wand bzw. Boden wird Schall direkt übertragen und der Schallschutz ist deutlich schlechter.
- Schrauben zu tief eingedreht: Schrauben, die den Karton der Gipskartonplatte durchbrechen, haben keinen Halt mehr. Der Schraubenkopf muss bündig mit der Oberfläche abschließen oder minimal versenkt sein.
- Zu wenig Schrauben: Der maximale Schraubenabstand beträgt 25 cm. Bei Deckenmontage empfehlen sich 17 cm.
- Falsche Plattenreihenfolge: Bei doppelter Beplankung muss die zweite Lage versetzt zur ersten angebracht werden.
- Fugen nicht armiert: Fugen ohne Bewehrungsstreifen (Fugenband) reißen nach kurzer Zeit auf.
Decke Abhängen: Besonderheiten
Das Abhängen von Decken ist ein häufiges Trockenbauprojekt, erfordert aber besondere Beachtung:
- Abhänger: Nonius- oder Direktabhänger verbinden die Tragprofile mit der Rohdecke. Der Abstand der Abhänger beträgt maximal 100 cm.
- Tragprofile: CD-Profile werden an den Abhängern befestigt und tragen die Gipskartonplatten.
- Kreuzverbinder: An den Kreuzungspunkten von Haupt- und Tragprofilen werden Kreuzverbinder eingesetzt.
- Maximale Abhänghöhe: Bei Standardabhängern bis 50 cm. Für größere Abhänghöhen sind spezielle Noniusabhänger nötig.
- Gewicht beachten: Eine einlagig beplankte abgehängte Decke wiegt ca. 12 kg/m². Bei doppelter Beplankung ca. 22 kg/m². Die Rohdecke muss diese Last plus das Eigengewicht der Unterkonstruktion tragen können.
Was Können Heimwerker Selbst Machen?
Gut Geeignet Für DIY
- Einfache Trennwände ohne besondere Schall- oder Brandschutzanforderungen.
- Dachschrägenverkleidung in geraden Räumen.
- Einfache Deckenbeplankung an bestehender Unterkonstruktion.
Besser Dem Profi Überlassen
- Brandschutzwände (Zertifizierung und Abnahme erforderlich).
- Wände in Feuchträumen (korrekte Abdichtung entscheidend).
- Komplexe Formen (Rundungen, beleuchtete Deckenvouten).
- Installationen (Elektro und Sanitär durch Fachbetriebe).