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CO2-Steuer 2026: Was Sie pro Liter Benzin und Kubikmeter Gas wirklich zahlen

Die CO2-Steuer – offiziell CO2-Preis im Rahmen des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) – steigt 2026 erneut an. Für Autofahrer und Hausbesitzer bedeutet das höhere Kosten beim Tanken und Heizen. Doch wie viel zahlen Sie tatsächlich pro Liter Benzin oder pro Kubikmeter Gas? Und welche Entlastungen gibt es? Berechnen Sie Ihre persönliche CO2-Belastung mit dem CO2-Steuer-Rechner.

Was ist die CO2-Steuer?

Die CO2-Steuer ist ein Preis auf den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2), der beim Verbrennen fossiler Brennstoffe entsteht. Ziel ist es, fossile Energie teurer zu machen und damit Anreize für klimafreundlichere Alternativen zu schaffen.

Das BEHG: Der rechtliche Rahmen

Das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) regelt seit 2021 die CO2-Bepreisung in den Sektoren Verkehr und Gebäude. Zunächst gilt ein fester Preis pro Tonne CO2, der schrittweise ansteigt. Ab 2027 soll ein Marktmechanismus mit Preisobergrenze greifen.

Entwicklung des CO2-Preises

| Jahr | CO2-Preis pro Tonne | Erhöhung zum Vorjahr | | :--- | :------------------ | :------------------- | | 2021 | 25 Euro | – | | 2022 | 30 Euro | +5 Euro | | 2023 | 30 Euro | 0 Euro | | 2024 | 45 Euro | +15 Euro | | 2025 | 55 Euro | +10 Euro | | 2026 | 65 Euro | +10 Euro | | 2027 | Markt (55-85 Euro) | variabel |

Auswirkungen auf Benzin und Diesel

Mehrkosten pro Liter 2026

Die CO2-Steuer wird auf fossile Kraftstoffe aufgeschlagen. Bei einem CO2-Preis von 65 Euro pro Tonne ergeben sich folgende Mehrkosten:

Benzin:

  • CO2-Ausstoß: 2,37 kg CO2 pro Liter
  • CO2-Steuer: 2,37 × 0,065 Euro = 15,4 Cent pro Liter
  • Plus Mehrwertsteuer (19 %): 18,3 Cent pro Liter

Diesel:

  • CO2-Ausstoß: 2,65 kg CO2 pro Liter
  • CO2-Steuer: 2,65 × 0,065 Euro = 17,2 Cent pro Liter
  • Plus Mehrwertsteuer (19 %): 20,5 Cent pro Liter

Jährliche Mehrkosten für Autofahrer

| Fahrleistung | Verbrauch (Benzin) | CO2-Steuer pro Jahr | | :----------- | :----------------- | :------------------ | | 10.000 km | 7 l/100 km | ca. 128 Euro | | 15.000 km | 7 l/100 km | ca. 192 Euro | | 20.000 km | 7 l/100 km | ca. 256 Euro | | 15.000 km | 5 l/100 km (sparsam) | ca. 137 Euro | | 15.000 km | 9 l/100 km (SUV) | ca. 247 Euro |

Vergleich: CO2-Steuer seit 2021

Für einen Durchschnittsfahrer (15.000 km, 7 l Benzin/100 km) sind die CO2-Kosten von 2021 bis 2026 wie folgt gestiegen:

  • 2021: ca. 74 Euro/Jahr
  • 2024: ca. 133 Euro/Jahr
  • 2026: ca. 192 Euro/Jahr
  • Steigerung: ca. 118 Euro mehr pro Jahr als zu Beginn

Auswirkungen auf Heizkosten

Erdgas

  • CO2-Ausstoß: 2,0 kg CO2 pro Kubikmeter (ca. 0,2 kg CO2 pro kWh)
  • CO2-Steuer pro kWh: 1,30 Cent
  • CO2-Steuer pro Kubikmeter: ca. 13,0 Cent

Heizöl

  • CO2-Ausstoß: 2,66 kg CO2 pro Liter
  • CO2-Steuer pro Liter: 17,3 Cent
  • Plus Mehrwertsteuer: 20,6 Cent pro Liter

Jährliche Mehrkosten beim Heizen

| Heizart | Verbrauch | CO2-Steuer pro Jahr | | :------ | :-------- | :------------------ | | Gas (Wohnung 70 m²) | 8.000 kWh | ca. 104 Euro | | Gas (Haus 120 m²) | 16.000 kWh | ca. 208 Euro | | Gas (Altbau 150 m²) | 25.000 kWh | ca. 325 Euro | | Heizöl (Haus 120 m²) | 1.500 l | ca. 309 Euro | | Heizöl (Altbau 150 m²) | 2.500 l | ca. 515 Euro |

Gesamtbelastung: Tanken + Heizen

Für einen durchschnittlichen Haushalt (Gas-Heizung, 120 m², ein Auto mit 15.000 km) ergibt sich 2026 eine CO2-Steuerbelastung von:

  • Heizung: ca. 208 Euro
  • Auto: ca. 192 Euro
  • Gesamt: ca. 400 Euro pro Jahr

Berechnen Sie Ihre persönliche Belastung mit dem CO2-Steuer-Rechner.

Wer zahlt die CO2-Steuer bei Mietwohnungen?

Seit 2023 werden die CO2-Kosten bei vermieteten Gebäuden zwischen Mieter und Vermieter aufgeteilt. Das Stufenmodell basiert auf dem energetischen Zustand des Gebäudes:

  • Sehr schlechte Energiebilanz: Vermieter trägt 95 %, Mieter 5 %
  • Schlechte Energiebilanz: Vermieter 70 %, Mieter 30 %
  • Mittlere Energiebilanz: Vermieter 50 %, Mieter 50 %
  • Gute Energiebilanz: Vermieter 20 %, Mieter 80 %
  • Sehr gute Energiebilanz: Vermieter 0 %, Mieter 100 %

Der Vermieter muss die Aufteilung in der Nebenkostenabrechnung transparent ausweisen.

Entlastungen und Ausgleich

Das Klimageld

Die Bundesregierung plant die Einführung eines Klimageldes – eine Pro-Kopf-Rückzahlung der CO2-Steuereinnahmen an alle Bürger. Der genaue Zeitpunkt und die Höhe stehen noch nicht fest. Ziel ist es, die CO2-Bepreisung sozial auszugleichen: Wer wenig CO2 verursacht, erhält mehr zurück als er zahlt.

Weitere Entlastungen

  • Pendlerpauschale: Ab dem 21. Kilometer erhöhte Pauschale von 38 Cent/km
  • Wohngeld: Höhere Heizkosten werden im Wohngeld berücksichtigt
  • Bürgergeld: Höhere Heizkosten werden als Kosten der Unterkunft übernommen
  • KfW-Förderung: Zuschüsse für den Umstieg auf klimafreundliche Heizungen

Wie kann ich die CO2-Steuer reduzieren?

Beim Autofahren

  • E-Auto: Null CO2-Steuer auf Strom
  • Sparsamer fahren: Reifendruck prüfen, vorausschauend fahren
  • Fahrgemeinschaften: Kosten teilen
  • Öffentliche Verkehrsmittel: Deutschlandticket für 49 Euro/Monat

Beim Heizen

  • Wärmepumpe: Keine CO2-Steuer auf Strom
  • Gebäudedämmung: Weniger Energieverbrauch
  • Erneuerbare Energien: Solarthermie, Pellets, Wärmepumpe
  • Heizverhalten: Raumtemperatur um 1 °C senken spart ca. 6 % Heizenergie

Ausblick: Was kommt nach 2026?

Ab 2027 wird der feste CO2-Preis durch einen Marktmechanismus ersetzt. Die EU plant ein separates Emissionshandelssystem (ETS 2) für Verkehr und Gebäude. Der Preiskorridor für 2027 liegt voraussichtlich bei 55-85 Euro pro Tonne. Experten erwarten, dass der CO2-Preis langfristig auf 100-150 Euro pro Tonne und mehr steigen wird.

Das bedeutet: Die Kosten für fossile Brennstoffe werden weiter steigen. Wer jetzt in klimafreundliche Alternativen investiert, spart langfristig.

CO2-Steuer im internationalen Vergleich

Deutschland ist nicht das einzige Land mit einer CO2-Bepreisung. Ein Blick über die Grenzen zeigt, wo der deutsche Preis steht:

| Land | CO2-Preis (2026) | Sektoren | | :--- | :--------------- | :------- | | Schweden | ca. 120 Euro/Tonne | Verkehr, Gebäude, Industrie | | Schweiz | ca. 120 Euro/Tonne | Brennstoffe | | Deutschland | 65 Euro/Tonne | Verkehr, Gebäude | | Frankreich | ca. 45 Euro/Tonne | Brennstoffe | | EU-ETS (Industrie/Strom) | ca. 60-70 Euro/Tonne | Industrie, Stromerzeugung | | Polen | ca. 1 Euro/Tonne | Brennstoffe (national) |

Deutschland liegt im europäischen Mittelfeld. Skandinavische Länder zeigen, dass hohe CO2-Preise mit wirtschaftlichem Wachstum vereinbar sind – Schweden hat seit Einführung der CO2-Steuer 1991 seine Emissionen um über 25 % gesenkt.

Auswirkungen auf verschiedene Haushaltstypen

Die CO2-Steuer trifft nicht alle Haushalte gleich. Die Belastung hängt vom individuellen Verbrauch ab:

Single in der Stadt (Wohnung, ÖPNV)

  • Heizung (Gas, 50 m²): ca. 70 Euro CO2-Steuer/Jahr
  • Auto: kein PKW, nur ÖPNV
  • Gesamtbelastung: ca. 70 Euro/Jahr

Familie auf dem Land (Haus, zwei Autos)

  • Heizung (Öl, 150 m²): ca. 515 Euro CO2-Steuer/Jahr
  • Auto 1 (15.000 km, Benzin): ca. 192 Euro/Jahr
  • Auto 2 (10.000 km, Diesel): ca. 151 Euro/Jahr
  • Gesamtbelastung: ca. 858 Euro/Jahr

Rentner-Paar (Altbau, ein Auto)

  • Heizung (Gas, 120 m², Altbau): ca. 325 Euro CO2-Steuer/Jahr
  • Auto (8.000 km, Benzin): ca. 102 Euro/Jahr
  • Gesamtbelastung: ca. 427 Euro/Jahr

Diese Beispiele zeigen: Wer auf dem Land lebt, ein großes Haus heizt und viel Auto fährt, zahlt deutlich mehr CO2-Steuer als ein Stadtbewohner mit kleiner Wohnung und ÖPNV-Nutzung.

Kritik und Debatte

Die CO2-Steuer wird kontrovers diskutiert:

Befürworter argumentieren

  • Lenkungswirkung: Verteuert fossile Brennstoffe und macht Alternativen attraktiver.
  • Klimaschutz: Notwendig, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.
  • Verursacherprinzip: Wer mehr CO2 verursacht, zahlt mehr.

Kritiker argumentieren

  • Soziale Ungerechtigkeit: Pendler und ländliche Bevölkerung werden stärker belastet.
  • Fehlende Alternativen: In vielen Regionen fehlt der ÖPNV, und nicht jeder kann sich ein E-Auto oder eine Wärmepumpe leisten.
  • Klimageld fehlt: Der versprochene soziale Ausgleich lässt auf sich warten.
  • Wirtschaftliche Belastung: Steigende Energiekosten belasten insbesondere kleine und mittlere Unternehmen.