Die Riester-Rente 2026: Für wen lohnt sie sich noch?
Die Riester-Rente wurde 2002 als staatlich geförderte private Altersvorsorge eingeführt, um die sinkenden Leistungen der gesetzlichen Rente auszugleichen. Doch seit Jahren wird über hohe Kosten, geringe Renditen und mangelnde Flexibilität geklagt. Angesichts einer geplanten großen Reform der privaten Altersvorsorge ab 2027 stellt sich für viele die Frage: Ist Riester jetzt noch eine gute Idee?
Die Vorteile: Staatliche Zulagen und Steuervorteile
Der Hauptgrund, der für einen Riester-Vertrag spricht, ist die großzügige staatliche Förderung. Diese setzt sich aus direkten Zulagen und möglichen Steuervorteilen zusammen.
- Grundzulage: Jeder anspruchsberechtigte Sparer erhält jährlich 175 Euro.
- Kinderzulage: Pro Kind gibt es eine zusätzliche Zulage.
- Für vor 2008 geborene Kinder: 185 Euro pro Jahr.
- Für ab 2008 geborene Kinder: 300 Euro pro Jahr.
- Berufseinsteigerbonus: Personen unter 25 Jahren erhalten bei Vertragsabschluss einen einmaligen Bonus von 200 Euro.
Zusätzlich können die eingezahlten Beiträge (inklusive Zulagen) bis zu einem Höchstbetrag von 2.100 Euro pro Jahr als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Das Finanzamt prüft automatisch, ob der Steuervorteil höher ist als die Zulagen (Günstigerprüfung).
Die Nachteile: Warum Riester in der Kritik steht
Trotz der Förderung hat die Riester-Rente erhebliche Schwächen, die in der Niedrigzinsphase der letzten Jahre besonders deutlich wurden.
- Geringe Renditen: Das Gesetz schreibt vor, dass Anbieter zu Rentenbeginn 100 % der eingezahlten Beiträge und Zulagen garantieren müssen. Diese Beitragsgarantie zwingt die Versicherer, sehr konservativ und sicherheitsorientiert zu investieren (z.B. in Anleihen), was kaum Rendite abwirft.
- Hohe Kosten: Insbesondere bei älteren Verträgen fressen hohe Abschluss- und Verwaltungskosten einen großen Teil der Erträge und Zulagen wieder auf.
- Inflexibilität: Das angesparte Kapital ist bis zum Rentenbeginn gebunden. Eine vorzeitige Kündigung ist nur mit dem Verlust aller Zulagen und Steuervorteile möglich. Zudem darf die Rente nicht als komplette Summe, sondern nur monatlich ausgezahlt werden (max. 30 % als Einmalauszahlung).
- Nachgelagerte Besteuerung: Die im Alter ausgezahlte Rente muss voll mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden.
Für wen kann sich Riester 2026 trotzdem lohnen?
Pauschal lässt sich die Frage "lohnt es sich?" nicht beantworten. Der entscheidende Faktor ist die persönliche Förderquote – also wie hoch der Anteil der staatlichen Förderung an der eigenen Sparleistung ist.
Besonders lohnenswert für:
- Familien mit mehreren Kindern: Die hohen Kinderzulagen können die Eigenbeiträge übersteigen.
- Beispiel: Eine Familie mit zwei kleinen Kindern (geboren nach 2008) und zwei Riester-Verträgen erhält jährlich: 175 € (Person 1) + 175 € (Person 2) + 300 € (Kind 1) + 300 € (Kind 2) = 950 Euro an Zulagen.
- Geringverdiener: Auch hier ist die Förderquote durch die Grund- und Kinderzulagen im Verhältnis zum geringen Eigenbeitrag sehr hoch.
Interessant für:
- Gutverdiener: Sie profitieren weniger von den Zulagen, aber stark vom Sonderausgabenabzug, der ihre Steuerlast im Erwerbsleben spürbar senkt. Hier konkurriert Riester aber mit renditestärkeren, flexibleren Anlageformen wie z.B. ETF-Sparplänen.
Ausblick: Die geplante Altersvorsorge-Reform ab 2027
Die Bundesregierung plant, das Riester-System ab 2027 durch ein neues, renditestärkeres Modell ("Altersvorsorgedepot") zu ersetzen oder zu ergänzen. Dieses soll flexiblere Anlagemöglichkeiten (z.B. in ETFs) mit wählbaren Garantie-Niveaus ermöglichen. Bestehende Riester-Verträge sollen voraussichtlich weitergeführt oder in das neue System überführt werden können.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Finanz- oder Steuerberatung dar. Ob ein Riester-Vertrag für Sie persönlich sinnvoll ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Holen Sie vor einer Entscheidung den Rat eines qualifizierten und unabhängigen Beraters ein.